HA Schult Literature



"Trash and People - The Past.The Present.The Future". Shigekatsu Inaba, Imajinsha-N&S Planning, Tokyo, 2016

"Planeta Basura". Francisco Acedo, Fahrenheit magazine, Mexico, June 2016

"Wer kriegt die Kurve? Zeitenwende in der Autoindustrie". Ferdinand Dudenhöffer, campus, Frankfurt, New York, 2016

"Mit Wasser in die Zukunft". Title story, Dusan Lukic, Plug In magazine, Ljubliana, 1/2016

"100 Künstler und einer". Dirk Schwarze, B&S Siebenhaar, Berlin, 2016

"Macher.Mörder.Menschenfreunde". Karl Stankiewitz, GHV Gerhard Hess, Bad Schussenried, 2016

"I like Fortschritt". Hartmut Kraft, Beate Reese, Salon Verlag, Cologne, 2016

“The Gregory Battcock-Archive”. Joseph Grigely, Walther König, Cologne, 2015

“Globale:Exo-Evolution”. Peter Weibel, ZKM Karlsruhe, 2015

"Der Fluss des Wassers von Europa nach China". HA Schult, Kunstforum international, 237/2015

“Die Kunst hat den längeren Atem”. Markus Mertens, Badische Neueste Nachrichten, Karlsruhe, 15/8/15

"Route Paris/Peking". Karlheinz Schmid, Kunstzeitung, Berlin, Nr. 226, 6/2015

“American Family and Friends 5”. Tamzin Thompson, Oxford University Press, 2015

“Green City”. Christine Vogt, Nina Dunkmann, Kerber, Bielefeld, 2015

"Zeitungen. Medien als Material der Kunst", Katharina Hoins, Reimer, Berlin, 2015

"The Last Beach", Orrin H. Pilkey, Andrew G. Cooper, Duke University Press, London, 2014

"Artco Kids", Pei-Chi Du, Art&Collection Group, Taipei City, 121/2014

"Araribá Plus-Arte", Collective authorship, Editora Moderna, São Paulo, 2014

"HA Schult-Trash People-Luxembourg", Marita Ruiter, Clairefontaine, Luxembourg, 2014

"The Narrative of Art", Sophia LI, Brand D Magazine, Hong Kong, Issue F, 2014

"Venezia vive", Christiana Coletti, Art&Art, Acca Edizioni, Rome, 5/10/2014

"Home-Heimat", Klaus Honnef, HA Schult, Bernstein, Siegburg, 2014

"Kunst auf dem Müll", Sabine Brandes, Jüdische Allgemeine, Berlin, 4/10/2014

"Trash Art from Eighties to Present", Lucrezia Naglieri, Università di Bari, Italy, 2014

“Art“, Richard Northcott, Oxford University Press, 2013

“Molecular Aesthetics”, Peter Weibel, Ljlijana Fruk, The MIT Press, Cambridge, 2013

“Die Zeit&Der Müll”, Christoph Stiegemann, Kettler, Bönen, 2013

“Histories of the Dustheap“, Stephanie Foot, Elisabeth Mazzolini, The MIT Press, Cambridge, 2012

“Glasmalerei für das 21. Jahrhundert”, Hrg.Wilhelm Peters, Glasmalerei Peters, Paderborn, 2012

“Rome, Pollution and Propriety”, Mark Bradley, Kenneth Stow, Cambridge University Press, 2012

“Trash Can School”, Kim Levin, ARTnews, NewYork, 6/2011

“Car Culture”, Hrg. Peter Weibel, ZKM Karlsruhe, 2011

“Götterdämmerung”, Hrg. Peter Wolf, primus, Darmstadt, 2011

“Endzeit am Nordpol”,Christiane Hoffmanns,WamS, 3/20/2011

“Umfallende Müllmenschen oder das Ende der politischen Kunst, wie wir sie kennen.”,Uta Baier, derFreitag,3/24/2011

“Endspiel auf Spitzbergen”, Andrea Hilgenstock, Kunstzeitung, Regensburg, 5/2011

“Søppelhær dysset i søvn”, Line Nagell Ylvisåker, Svalbard Posten, Longyearbyen, 3/18/2011

“Anthropogenic Litter inthe SEPacific”, MartinThiel,Universidad Coquimbo, Chile, 2011

“Einkehr in Telgte”, Simone Thieringer, Stadt Telgte, 2011

“IUEOA”, Sarah Cattani, Luxembourg, 2011

“En caso no reciclo lo suficiente, como todos”, Patricia Gosálvez, El País, 1/22/2011

“molecular aesthetics”,Peter Weibel,Christiane Riedel, International Symposium, ZKM Karlsruhe, 2011

“REstART”, Gianluca Marziani, Christian Maretti Editore, Degana, 2009

“Aesthetics and Anthropology”, Ina-Maria Greverus, LIT Verlag, Berlin, 2009

“Achitectuur en Alfabet”, B.de Mol Moncourt, Centre for Architecture, Leiden, 2009

“Der Müllkünstler”, Philipp Kron, FAZ, 8/1/2009

“Slum”,Peter Weibel,Neue Galerie Graz, 2008

“The Rise of Critical Art”, Wang Nanming, Shanghai, Zendai Museum of Modern Art, Beijing Wall Art Museum, Alte Brucke Verlag, 2008

“Kunsträume-Stadträume”, Wolfgang Ullrich, Verlag Moderne Kunst, Nuremberg, 2008

“New Life-Uusi Elämä-Uus Elu“, K. Laansoo, A.Vahtra, I. Sirkel, Martha, Helsinki, 2008

“The Birth of Contemporary Art: Informalist Gesture”, Heinz Althöfer, Skira,Milano, 2008

“Gesucht: Kunst”,Wolfgang Ullrich,Wagenbach, Berlin,2007

“Abfall”, Chr. Scharff, ARA, Vienna, 2005

“Trees for Peace“,Wulf Mämpel, Klartext, Essen, 2003

“LoveLetters“, HA Schult, Patmos,Düsseldorf, 2002

“Art is Action“,HA Schult,Wasmuth,Tübingen, Berlin, 2001

“Kunst und Umwelt, Umwelt und Kunst.”, Heinz Althöfer, Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt, 2000

“Collage und Assemblage als neue Kunstgattungen DADAS“ Sabine Eckmann, Koenig, Cologne, 1995

“La ville“, Jean Dethier, Alain Guiheux, Centre Georges Pompidou, Paris, 1994

“Marble Time“, Alexander Borovsky, Lindiger+Schmid, Regensburg, 1994

“Fetisch Auto”,Klaus Honnef, Eva Windmöller,Thomas Hoepker Econ-Claassen, Düsseldorf, 1989

“New York ist Berlin”, Kim Levin, HA Schult-Museum,1986

“1945-1985”, Dieter Honisch, Nationalgalerie, Berlin,1985

“Ein Tor in New York”, Eva Windmöller, Stern magazin, 1/1985

“World Art Trends“, Jean-Louis Pradel, Abrams, NewYork, 1984

“Now! Überdosis New York“, HA Schult, Bucher, Munich,1984

“My Weekend as an Artwork”, Kim Levin, the villageVoice, New York, 46/1983

“The Art of Performance“, Gregory Battcock, Dutton, N.Y.,1982

“Tel Hai 80”, Amnon Barzel, Tel Hai- Art Institute, 1980

“Mahnmal der Wegwerfzeit”, Peter Brügge, Der Spiegel, Hamburg, 20/1980

“Im Namen des Volkes“, S.Salzmann, K.H. Nowald, Lehmbruck- Museum, Duisburg,1979

“HA Schult. Der Macher“, Rheinland Verlag,Cologne, 1978

“Le faiseur HA Schult“, Friedrich Bayl, Colóquio, Gulbenkian Foundation,Lisboa,1977

“Der Salvador Dali der Mülldeponien”, Rupp Doinet, Stern magazin, Hamburg, 27/1976

“Bienale: (a sua insaputa), vernice in notturno”, G.A.Cibotto, Il Gazzettino, Venice, 3/12/1976

“Unwelt”, ArminZweite, Städt. Gal. Lenbachhaus, Munich,1974

“HASchult“,Eberhard Roters,kunstforum international,4/5/1973

“Art Now-The New Age“, Ichiro Haryu, Kodansha, Tokio, 1972

“Kunst ist Utopie”, Heinz Ohff, Bertelsmann, Gütersloh,1972

“Actif au Maroc”, HA Schult, Maghreb Edition, Casablanca,1971

“Jam“, James Burns, Phaidon, London, 1971

“Der Bildungstrieb der Stoffe“, Eberhard Roters, Kunsthalle Nuremberg, 1970

“Leben u. Kunst“,Udo Kultermann,Wasmuth,Tübingen, 1970

“Die Schult - Frage“, DuMont, Cologne, 1970

“Biologische Kunstführung“,Wolfgang Längsfeld,SZ, 9/8/1969

“Expansion der Kunst“, Jürgen Claus, Rowohlt, Reinbeck,1969

“sub art“, Robho, Paris, 1968



München, ein Märchen.

Achtzehn Jahre hatte ich in München gelebt, als ich sechs Jahre später, 1984, im Orwellschen Jahr, zum ersten Mal wieder dorthin zurückkam. Ich landete, direkt aus New York, der freiesten Stadt der Welt, kommend, in Riem und mir schien, daß hier auf jeden Fluggast ein Polizist kam.

Während ich durch die Stadt zu meiner alten Liebe Schwabing eilte, strahlte mich ein so sauberes München an, wie es niemals in unseren 60er -Träumen vorgekommen ist. Am Abend ging ich in das Hofbräuhaus und es gelang mir, nach einer Leibesvisitation, wie sie am jedem Gast vollzogen wurde, auch wieder herauszukommen.

Es war Mitternacht, und ich stand auf dem glitzernden Konsum-Kilometer der Maximilianstraße vor einem Bretterzaun, der die Umbauarbeiten der Galerie Thomas verkleidete. Von ihm herab schrillten die frisch gesprayten Graffitis von Lady Pink und Futura 2000, an deren Originalen in der South Bronx vorbei Elke mich vor wenigen Stunden zum Kennedy Airport gefahren hatte.

Hier nun auf der Maximilianstraße, ihres sozialen Umfeldes entkleidet, warben sie für die frisch importierte Ware Kunst. Und plötzlich, wie mit dem blanken Messer gezogen, stand die Erkenntnis vor mir, was dieser Stadt fehlte: München mangelte es an Schmutz, Dreck und Müll!

Es fehlte jener Schmutz der Zeit, aus dem sich einst in Paris die Skulpturen Alberto Giacomettis erhoben. Es fehlte jener Epoche -Dreck aus dem Wols seine handtellergroßen Wunden des Zweiten Weltkrieges destillierte und der den Nährboden für den Farb-Dschungel Jackson Pollocks abgab.

Der Müll ist es gewesen, der New York zur Hauptstadt der Weltkunst gemacht hat. Jener Müll, der in München unter den Teppich der Verdrängungen gekehrt wird. Das war nicht immer so.

Einige wenige Jahre, in den 60ern, den 70ern entgegen, war München ein Hoffnungsträger für uns junge Künstler. Und die Kunst war stark. Damals war die ganze Stadt im Umbruch, die Leopoldstraße stülpte ihr Inneres nach außen und kroch als lebende Baustelle hinaus zum Oberwiesenfeld. Die Kunst kroch mit.

1968 fand die sub art statt. In einer U-Bahnbaustelle auf der Leopoldstraße arrangierten wir aus vorgefundenen und der Situation entsprechenden Materialien Environments und Tableaus im sozialen Umfeld.

1969 ging mit der Situation Schackstraße die Kunst auf die Straße. “Der heutige Künstler hat die Aufgabe in alle Prozesse einzugreifen. Er soll sich dagegen wehren, in einen Künstler-Spielgarten abgeschoben zu werden!” Der daraus resultierende Gerichtsprozeß war Bestandteil der Aktion.

1970 startete von der Feldherrnhalle in München die Aktion 20.000 km. In zwanzig Tagen legte ich, permanent zwischen München und Hamburg hinund herfahrend, zwanzigtausend Kilometer zurück. Dabei kam die Kunst auf die Straße und die Straße ins Museum.

Klaus Lea publizierte seine Mama und vertrieb sie in den Kneipen. Günter Zint fotografierte Soraya. Uwe Lausen malte Comics. Niki de St. Phall schoß mit Farbe. Tinguely bei Wort und Bild. Rauschenberg bei Friedrich und Dahlem. Andy Warhols Filme zogen über München in Europa ein. Faßbinder eroberte das Aktionstheater. Elke Koska ging als Kunstwerk durch die Stadt. Heiner Friedrich tanzte mit Gerhard Richter im Blow up, Wolfgang Christlieb mit einer Plastiktüte im P.1. Uwe Lausen wähnte sich unsichtbar. Rolf Schneider eröffnete ekto. Laurens Straub veranstaltete im Regina - Palast Hotel ein Chaos als Happening. Im Faschingszug ließ ich einen Müllwagen mitfahren: Skandal in Schwabing!

Mike Heizer realisierte in Neu-Perlach sein erstes Outdoor-Projekt, Walter de Maria bei Friedrich seinen ersten Earth -Room. Peter Weibel mit Valie Export das Tast-Kino. Christliebs Gewitter am See in den Kammerspielen. Vostell bei van de Loo. Kallhardt sprengte den Kunstverein. Eva Madelung, Alfred Gulden und Peter Nemetschek gründeten den A1.

Günter Brus tat sich weh, Hermann Nitsch schlachtete, Otto Mühl onanierte. Buchheim polemisierte. Jürgen Claus experimentierte. Stanley Brown fuhr von München nach Sibirien und ging dort Three Steps. Günter Saree schickte das Wort Wort auf Reisen. Walter de Marias Loch vom Oberwiesenfeld scheiterte. Veruschka von Lehndorf malte sich an. Hundertwasser zog sich aus. Eberhard Fiebig protestierte. Bernhard Höke schäumte. Klaus Rinke spritzte Wasser. Anatol schreinerte. Fritz Kracht vergoldete sein Glied. Henri Nannen polterte im Stern gegen “Diese Kunst”.

George Moorse drehte. May Spils drehte. Peter Schamoni drehte. Hans Noever drehte. Maran Gosov drehte. Werner Herzog drehte. Schlöndorf drehte. Schilling drehte. Zwei Hauffs drehten. Uwe Brandner drehte. Lemke drehte. Kluge drehte. Faßbinder drehte und drehte und drehte, die Haifischkommune drehte den Gashahn auf. Elke Koska sang in Hair: Schwefeldioxyd. Uwe Lausen brachte sich um.

Eltern kam. Twen ging. Hubert's m ließ sich kurz sehen. Willy Brandt ging als Kanzler auf die Wies'n. Walter Scheel saß im Augustiner, Horst Ehmke im Alten Simple. Wir saßen im Schwabinger Nest, Cafe am Siegestor, Europa Espresso und Capri. Im Picnic auf der Leopoldstraße ging die Lebensmittelkontrolle ein und aus. Feinkost Käfer mauserte sich. Die ersten “Neuen Köche” kamen.

Die Leopoldstraße wurde zugeschüttet. Werner Ruhnau baute die Spielstraße. Die Olympiade kam. Pienes Regenbogen schlaffte ab. Vogel ging nach Bonn. 1974 griff Franz Joseph Strauß endlich in die Kunst ein und ich zeigte den Müll von Franz Beckenbauer im Lenbachhaus.

Das alles und vieles mehr war der Zeit -Müll, der in München den Nährboden abgab für eine Saat, die heute woanders aufgegangen ist...

HA Schult, 1985